Wie im Lager schon fast üblich am Sonntagmorgen, konnten die Schotten heute ein noch besseres Frühstück geniessen. Das Küchenteam tischte neben dem üblichen Brot auch Zopf auf, und sogar ein wenig Nutella war noch übrig, viel besser kann es nicht sein. Gestärkt vom Essen machten wir uns dann auf den Weg in die Kirche im Nachbarsdorf Welfensberg. Bei herrlichem Wetter konnten wir auf dem Weg zur Kirche auf dem Nollen (ein für thurgauer Verhältnisse schon Berggipfel) die Aussicht geniessen. Die Kirche war schon von weitem sichtbar, und in die andere Richtung konnte man den Säntis erblicken. Nach einem schönen Gottesdienst in der kleinen Kirche wurden wir vom ansässigen Pfarrer sogar noch mit einer Glace überrascht.

Am Nachmittag machten sich die Leiter auf eine Auskundschaftung, tief in englisches Gebiet. Am Tag zuvor war in unserer Abwesenheit unser Fahnenmast umgestossen worden – das konnte kein Zufall sein. Die Hilfsleiter mussten also die Verantwortung übernehmen und absolvierten einen weiteren Trainingsnachmittag mit Drapeau, einem Geländespiel und strategischem Werwölfeln am Lagerfeuer.

Als die Leiter am Abend zurückkehrten, traten die schlimmsten Befürchtungen ein. Engländer sammelten sich überall in den umliegenden Gegenden, der Lordkanzler wurde von mehreren Einheimischen gesichtet und die Gemüter in den umliegenden Dörfern waren erhitzt. Einer der Leiter wagte sich zu tief in englisches Gebiet und wurde gefangen genommen. Mit letzter Kraft konnte er fliehen, nach Atem schnappend, fast schon ohnmächtig sprach er zurück am Lagerplatz von einer ganzen Armee. Der Verwundete wurde erst einmal verarztet, und die Ältesten würden sich am Abend noch besprechen und das weitere Vorgehen am nächsten Morgen erklären.

Doch so lange liessen die Engländer nicht auf sich warten. Noch im Dunkeln der Nacht stahlen sie die die Clanbanner, fesselten die Ältesten und markierten den gesamten Platz mit Lichtern. Der Lordkanzler befahl den Engländern, nach der Einnahme des Platztes alle Lichter wieder einzusammeln, damit sie für den nächsten Eroberungszug wiederverwendet werden können. Die Engländer schienen aber nicht ganz so loyal, denn falls die Clans alle 600 Lichter selbst wieder zurückbrächten, würden sie die Banner wieder zurückgeben und ihnen ein wenig Zeit verschaffen. Doch auch gegenüber uns waren sie hinterlistig, denn es gab gar keine 600 Lichter, in Wirklichkeit waren es viel weniger. Wenigstens war jetzt der Lagerplatz nicht mehr für einen Angriff beleuchtet und die Ältesten liessen sie wieder frei, doch die Banner blieben verschollen.